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Interview mit Frau Kemmler, Geschäftsführerin Global Success/ Gt- Innovation Summit

22.09.14
Am 21. Oktober 2014 tagt am Frankfurter Flughafen der erste türkisch-deutsche Innovationsgipfel, der von den Forschungsministern beider Länder, Johanna Wanka und Fikri Işık, eröffnet wird. Hinter der Idee, Führungskräfte aus Deutschland und der Türkei zum Thema Innovation zusammen zu führen, steht eine Frankfurter Gründerin: Frau Işınay Kemmler, Geschäftsführerin der B2B (business-to-business) Networking Plattform "Global Success Club".

© I. Kemmler

1. Frau Kemmler, wie kamen Sie auf die Idee, den ersten türkisch-deutschen Innovationsgipfel auf die Beine zu stellen?

Der Global Success Club (GSC) ist ein exklusives B2B-Netzwerk, das es sich zur Aufgabe macht, innovative Unternehmen in ihrem internationalen nachhaltigen Wachstum zu unterstützen und diese weltweit miteinander zu vernetzen.

Als weltweit erreichbares Webportal haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine Plattform für die Zusammenarbeit von innovativen Unternehmen unterschiedlicher Länder und Kulturen zu sein. In diesem Rahmen möchten wir einen Beitrag leisten, Innovations- und Wachstumspotenziale zu entfalten und Unternehmen international miteinander zu vernetzen. Natürlich setzen wir dabei Schwerpunkte auf bestimmte Länder und die Türkei gehört insbesondere für deutsche Unternehmen zu den attraktivsten Märkten mit vielen Chancen und Potenzialen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die türkischen Unternehmen. Da dieses Jahr zudem das Deutsch-Türkische Wissenschaftsjahr ist, wollten wir hierzu unseren kleinen Beitrag leisten und so kamen wir auf die Idee, den ersten Türkisch-Deutschen Innovationsgipfel in Frankfurt zu organisieren.

2. Wie haben Sie es geschafft, Ihre Idee in die Tat umzusetzen?

Bevor ich den Global Success Club gegründet habe, war ich als Unternehmensberaterin für Technologie orientierte B2B-Unternehmen im Bereich internationale Markteintrittsstrategien in Wachstumsmärkten tätig. Die Türkei bildete dabei einen wesentlichen Schwerpunkt meiner Arbeit. Insbesondere nach der Veröffentlichung eines Sachbuchs, "Business Know-how Türkei", das ich im Auftrag des Redline Wirtschaftsverlags geschrieben hatte, wurde ich für viele Veranstaltungen und Seminare zum Thema Türkei engagiert. So konnte ich eine große Zahl von Führungskräften aus vielfältigen Branchen kennenlernen und über deren Bedürfnisse im Hinblick auf Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten viel erfahren. Diese Erkenntnisse haben mir geholfen, ein bedarfsorientiertes Konzept für den 1. Türkisch-Deutschen Innovationsgipfel zu erstellen. Ich denke, unser Konzept war ausschlaggebend dafür, dass wir die Forschungsminister aus beiden Ländern für die Eröffnungsreden gewinnen konnten.

Als gebürtige Türkin, die erst für ihr zweites Studium nach Deutschland kam, kenne ich mich in beiden Ländern über die Sprache hinaus sehr gut aus. Das hat uns sehr dabei geholfen, in der Türkei Unterstützer finden zu können. Damit aus dem Gipfel nachhaltige Ergebnisse resultieren, sprich F&E-Projekte zwischen den Unternehmen aus beiden Ländern, wollten wir wichtige Akteure einbinden und deren Ideen und Vorschläge für den Summit berücksichtigen.  Neben TÜBITAK haben sich auch die führenden Industrie- und Handelskammern beteiligt und standen uns bei der Gestaltung  des Gipfels mit Rat & Tat zur Seite. So kam es auch dazu, dass wir den Gipfel um einen Tag erweitert haben. Am 22.Oktober werden im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie B2B-Gespräche stattfinden. Ziel ist es, dass die ersten Schritte für Horizont 2020 (EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation)-Partnerschaften initiiert werden können. Zu der Website, die wir für den Gipfel entwickelt haben, haben wir eine geschlossene Online-Community hinzugefügt. So können die Summit-Teilnehmer auch nach dem Gipfel miteinander in Kontakt stehen.

3. Was versprechen Sie sich von dem Gipfel – für die türkisch-deutsche Zusammenarbeit und für sich persönlich?

Wir hoffen, dass unsere Bemühungen tatsächlich mehr F&E-Partnerschaften zwischen den innovativen Unternehmen aus beiden Ländern hervorbringen. Für beide Seiten gibt es viele Chancen und Potenziale. Insbesondere für deutsche Mittelständler gibt es ungenutzte Chancen, da die Türkei Nachholbedarf in bestimmten Technologien hat und sich als Standort für weiteres internationales Wachstum hervorragend eignet. Nicht nur als wachsender Absatzmarkt, sondern auch als Ausgangspunkt für benachbarte Länder - bedingt durch seine geographische Lage. Auf der anderen Seite gibt eine wachsende Zahl von motivierten und gut qualifizierten jungen Menschen, die offen für neue Technologien sind. Dies könnte einer der Lösungswege für den Fachkräftemangel in Deutschland sein, wenn mehr Kooperationen zustande kämen.

Für mich persönlich wäre dies die Erfüllung meines Wunsches, als eine Brücke zwischen den beiden Ländern zu agieren, in denen ich gleichermaßen beheimatet bin. Dieses Jahr habe ich exakt die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht. Ich denke, es war auch kein Zufall, dass ich zunächst in Istanbul Internationale Beziehungen studierte hatte.

Nun hoffen wir, dass wir nach einem gelungenen ersten Gipfel, diesen jährlich wiederholen und weiterhin als Wegbereiter für Forschungskooperationen und bilaterale Investitionen in der Industrie agieren können. Es wäre noch schöner, wenn der Gipfel abwechselnd in Frankfurt und in Istanbul stattfinden könnte, wie es bereits vorgeschlagen wurde.

4. Was können Deutschland und die Türkei in puncto Innovationen voneinander lernen?

Zur deutschen Ingenieurkunst und der Innovationsfähigkeit, gepaart mit dem weltweit bekannten Qualitätssiegel „Made in Germany“, das auf Präzision und Qualität baut, brauche ich nichts hinzuzufügen. Allerdings muss sich Deutschland auch den neuen Herausforderungen des digitalen Zeitalters stellen. Flexibilität und Schnelligkeit wird immer wichtiger. Das sind typisch türkische Eigenschaften. Während die Türken die Chancen sehen, sehen die Deutschen auch die Risiken. Sie würden nicht nur viel voneinander lernen können, sondern sich auch perfekt ergänzen.

5. Das Deutsch-Türkische Wissenschaftsjahr steht unter dem Motto Science Bridging Nations. Was wünschen Sie sich für das Deutsch-Türkische Wissenschaftsjahr?

Für das Deutsch-Türkische Wissenschaftsjahr wünsche ich mir, dass dieses sehr gut ausgewählte Motto seinem Namen alle Ehre macht und die beiden Länder näher zusammenrücken lässt. Deutschland und die Türkei haben eine gemeinsame Geschichte der Zusammenarbeit, die bis in die Kaiserzeit und davor zurückgeht. Wissenschaftskooperationen gibt es fast schon seit der Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923. Zum Aufbau des Landes haben viele deutsche Wissenschaftler mit ihrem Know-How beigetragen. Beim Wideraufbau in Deutschland nach dem 2.Weltkrieg haben wiederum türkische Arbeitskräfte einen großen Beitrag geleistet. Trotzdem gibt es immer wieder kulturelle Annäherungsängste und –spannungen. Wissenschaft kennt keine Nationalitäten, keine Religionen oder Geschlechter. Ich wünsche mir, dass durch gestärkte Zusammenarbeit im Bereich Forschung & Entwicklung – nicht nur im Hochschulbereich, sondern auch in der Anwendung in der Industrie, die beiden Nationen sich näher kommen und dadurch vielleicht immer noch existierende Vorurteile abgebaut werden können.

 

 

 

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