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Interview mit Dipl. theol. Stefan Zinsmeister M. A., Mitglied des Vorstands der Eugen-Biser-Stiftung, München

22.07.15
Was sind die religiösen Grundhaltungen von Christen und Muslimen, wie unterscheiden sie sich, wie bestimmen sie unser Zusammenleben und vor allem wie kann man zu einer länderübergreifenden Verständigung beitragen?

© Eugen-Biser-Stiftung

Rund um diese hochaktuellen Fragen dreht sich die von der Eugen-Biser-Stiftung organisierte Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Christen und Muslime im Gespräch“, die im Rahmen des Ideenwettbewerbs gefördert wird. Wir sprachen mit Dipl. theol. Stefan Zinsmeister M. A., Vorstandsmitglied der Eugen-Biser-Stiftung, München, über seine bisherigen Erfahrungen und Erwartungen an das Projekt.

 

Herr Zinsmeister, verstehen Sie sich als interreligiöser Brückenbauer?

Über das Kennenlernen einer anderen Religion kann ich meine eigene viel besser verstehen. Daher ist es mir wichtig, andere Menschen zusammenzuführen und ihnen konkrete persönliche Gespräche über Religion zu ermöglichen, damit auch sie die jeweils andere Seite besser verstehen lernen.

Ich bin davon überzeugt, dass es in unserer heutigen Gesellschaft, die heterogen und plural zusammengesetzt ist, unerlässlich bleibt, seriöse und wissenschaftlich abgesicherte Informationen über die Religionen zu vermitteln und das Selbstverständnis der Religionen im Hinblick auf die Herausforderungen der Gegenwart weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund sehe ich mich durchaus als interreligiösen Brückenbauer und die Stiftung als eine Plattform für die interreligiöse Verständigung.

Mit Ihrer Stiftung tragen Sie maßgeblich dazu bei, die christlich-islamische und die deutsch-türkische Verständigung mit Begegnungen, Veranstaltungen und Buchpublikationen („Lexikon des Dialogs“, „Handbuch Christentum und Islam in Deutschland") zu fördern. Welche Aktivitäten haben Sie für 2015 im Rahmen Ihres Ideenwettbewerbsprojektes geplant?

Nach unseren Veranstaltungen in Frankfurt und Tübingen finden in diesem Jahr noch zwei weitere in Osnabrück und in Erlangen statt. Bei der Veranstaltung in Osnabrück am 8. und 9. Mai kommen Wissenschaftler aus Deutschland und der Türkei zusammen, zu einem Expertengespräch zum Thema „Islamischer Religionsunterricht und religiöse Bildung“ und zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema „Religion und Demokratie“, die sich um die Frage dreht, wie der Glaube in der modernen Welt gelebt werden kann. Bei unserer Veranstaltung am 3. Juni in Erlangen steht das Thema Religionsfreiheit stärker im Fokus. An beiden Orten organisieren wir auch einen Workshop mit christlichen und islamischen Studierenden.

Im Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahr möchten Sie zusammen mit ihren Partnern den Dialog zwischen Christen und Muslimen auf allen Ebenen ermöglichen – und damit die Voraussetzung für Verständigung, Netzwerkbildung und Zusammenarbeit schaffen. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Wir haben äußerst positive Erfahrungen gemacht. Die Teilnehmer der Veranstaltungen, ob Professoren, Studierende oder Interessierte aus breiten Teilen der Bevölkerung, zeigen ein hohes Interesse an soliden Informationen – Informationen, die das „Lexikon des Dialogs“ bietet. Das Werk hat seinen Praxistest bestanden: Es kann als ein Werkzeug für die konkrete dialogische Arbeit verwendet werden, beispielsweise in Workshops mit Studierenden. Die Diskussionen anhand ausgewählter Artikel waren sehr produktiv. Auch die Medienberichterstattung zeigt, dass nicht nur Schreckensmeldungen in Bezug auf den Islam gefragt sind, sondern Themen, die die Verständigung fördern. So wurde beispielsweise das Referat von Prof. Albayrak, das er im Februar in Tübingen zum Thema „Religionsfreiheit im Koran“ gehalten hatte, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgegriffen.

Die Frage nach dem Platz des Islams in der gegenwärtigen Gesellschaft bietet derzeit Raum für breite Kontroversen. Wie wirken sich diese auf Ihre Veranstaltungsreihe aus?

Die Teilnehmer der Veranstaltungen haben ein hohes Interesse, sich über diese Fragen mit Fachleuten aus Deutschland und der Türkei auseinanderzusetzen. Es gibt immer noch sehr viele Unsicherheiten, mangelnde Kenntnisse und Fehlinformationen über den Islam, teilweise auch über das Christentum, so dass derartige „Gespräche zwischen Christen und Muslimen“, wie der Generaltitel unserer Veranstaltungen heißt, zur Aufklärung sehr gut geeignet sind.

Was erhoffen Sie sich vom Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahr?

Dass auch in Zukunft Fördermittel für die Bearbeitung theologischer und philosophischer Themen bereitstehen, die sich den Grundfragen des einzelnen Menschen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens stellen.

 


Die Eugen-Biser-Stiftung in aller Kürze:

Die im Jahre 2002 gegründete, unabhängige, gemeinnützige Eugen-Biser-Stiftung, so heißt es im Selbstportrait der Eugen-Biser-Stiftung, richtet ihren Blick aus christlichem Welt und Werteverständnis auf alle Bereiche menschlicher Existenz mit dem Ziel, ein gelingendes Zusammenleben in der demokratischen Gesellschaft zu fördern. Im Zentrum ihrer Tätigkeit stehen die "Zukunft des Christentums" in theologischer und in gesellschaftlicher Hinsicht sowie der "Dialog aus christlichem Ursprung" mit den anderen Weltreligionen, Weltanschauungen und Kulturen.

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